Der gläserne Student: Burn-Out mit 23 Jahren?

Das Leben der Studenten ist bunt, abenteuerlich und der Inbegriff an Freiheit. Das ist es, was uns unsere Eltern bzw. die Generation unserer Eltern von dem Studentenleben denken. Doch das Bild der Studenten vor 30 Jahren und das der Heutigen, hat sich grundlegend geändert. Konnte man als Diplom-Student noch einen großen Anteil an Freiheit genießen, wilde Partys leben und bis in die Morgenstunden tanzen über Wochen hinweg, ist das Leben der verschulten Bachelor-Studenten ein völlig anderes. Klausuren-Druck, ständige Kurztests und Hausaufgaben die benotet werden, wöchentliche Referate und mündliche Mitarbeit - das ist es, was ein heutiges Studentenleben beinhaltet, denn: jede Note zählt und taucht spätestens im Zeugnis für den zukünftigen Arbeitgeber wieder auf.

 

Doch nicht nur der Klausurendruck hat sich um vieles verstärkt. Auch der Druck der Gesellschaft und Behörden ist härter geworden. Bafög sei Dank hat der heutige Student keine Geld-Sorgen mehr - dies ist zumindest die Idee. Doch Bafög bekommen die wenigsten und selbst dann ist jeder Euro hart umkämpft, durch einen riesigen Papierkrieg mit dem Amt. Und wer kann schon von 630 Euro im Monat leben? Die Hälfte geht für die Miete drauf, weitere 100 Euro pro Monat für Bücher, Internetanschluss (ohne Internetzugang ist es nicht mehr möglich zu studieren) und Kopierkosten. Rund 200 Euro bleiben also zum Leben, von denen Essen und Kleidung zu kaufen sind. Natürlich muss man sich von diesen 200 Euro auch noch Rücklagen für die allgemeinen Studiengebühren ansparen (500 Euro die jedes halbe Jahr anfallen), ebenso Verwaltungskosten der Universität (zusätzliche 100 Euro) und natürlich das Studententicket (nochmals 150 Euro jedes halbe Jahr), schließlich muss man auch irgendwie zur Universität kommen. Falls man zugezogen ist und ab und zu doch mal zu den Eltern in der 100 km entfernten Stadt fahren will, fallen auch noch die Bahncard-Kosten und Zugfahrt-Tickets in regelmäßigen Abständen an. Das Fazit dieser kleinen Aufrechnung ist einfach: nicht alleine der Leistungs- und Klausurendruck führt zum gestressten Studentenalltag, sondern auch die Geldsorgen sind beim Durchschnittsstudenten allgegenwärtig.

Natürlich könnte man sich nun fragen, warum überhaupt studieren? Mach doch lieber eine Ausbildung, ich hab schließlich auch einen Job gefunden und kann heute gut davon leben (zumindest ist es das, was ich mir von meinen Eltern regelmäßig anhören darf)? Natürlich vergessen meine Eltern oft, dass sich das Leistungs- / Bildungsniveau in der heutigen deutschen Gesellschaft verändert hat. Qualifizierte Arbeitskräfte gibt es im Überfluss, deswegen schafft man es als Nicht-Studierter kaum Fuß-zu-fassen in der Arbeitswelt. Und die heutige Position im Betrieb, von denen meine Eltern vorschwärmen, sind in der heutigen Situation ohne Studium nicht mehr erreichbar.

Dies ist auch der Grund warum man heute als erfolgreicher Student neben dem Studium auch ein Workerholiker sein muss. 3 Monatiges Praktikum in den Sommerferien, 6-wöchiges in den Winterferien, während der Studienzeit zwei Jobs als unterbezahlter Werkstudent in irgendwelchen No-Name-Betrieben. Ich werde oft ungläubig belächelt wenn ich erzähle, das ich meinen letzten Urlaub vor drei Jahren hatte (immerhin eine ganze Woche Italien)! Doch dies ist die Realität. Ohne Praktika gibt es selbst bei einem guten Studium keinen Arbeitsplatz und die teuren Studienkredite werden immer größer. Und Genies die ihr Studium locker mit 1,0 bestehen, sind leider die wenigsten.

Auch der soziale Druck ist in den letzten Jahren exponentiell angestiegen. Facebook, StudiVz, Iphones.... der Zwang ständig und überall erreichbar zu sein, über alles informiert zu sein und sich ständig präsentieren zu müssen, ist auch nicht förderlich. Es ist eine andere Art des Stresses, ein sozialer Stress, doch jede Stunde seinen Facebook-Account überprüfen zu müssen, ist nicht wirklich hilfreich wenn man sich entspannen will und muss.

 

Bei so einer Lebensführung des heutigen, gläsernen Studenten, wundert es kaum, dass die neue Gesellschafts-Krankheit, das Burn-Out-Syndrom, auch die Studentenwelt erreicht hat. Immer länger werden die Warteschlangen vor der Psychologischen-Beratung in den Universitäts-Centern. Ständige Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Depression, mangelnde Motivation und die Tatsache obwohl man abends todmüde in seinem Bett liegt nicht einschlafen kann, sind die Symptome des Burn-Outs.

Doch meine lieben Mit-Studenten, lasst den Kopf nicht hängen, denn es gibt einen Lichtblick. Spätestens wenn das Studiensystem ganz zusammengebrochen ist, wird sich etwas ändern. Ob wir diese zweifelhafte Freude noch in unserer Studienzeit erleben werden, bleibt jedoch fraglich.

 

6.12.10 16:09

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Maccabros / Website (6.12.10 21:40)
Und trotzdem - ich beneide die Studenten und ärgere mich darüber, dass ich seinerzeit so dumm und faul war...

Gruß

Maccabros

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